Das Scrollen nach dem Mehr

Frau mit Tee in gemütlicher Atmosphäre

Kennst du das? Du liegst abends auf der Couch, eigentlich ist alles gut – und dann greifst du zum Handy. Nur kurz. Nur mal schauen. Und zehn Minuten später fühlst du dich irgendwie… kleiner.

Da ist die Frau, die in fünf Wochen zehn Kilo abgenommen hat und jetzt mit Modelfigur in die Kamera lächelt. Der Influencer, bei dem hunderttausend Follower alles liken, was er postet. Die Frau, die ihr drittes Business gegründet hat und dabei aussieht, als hätte sie nie eine schlaflose Nacht gehabt. Und plötzlich reicht dein eigenes Leben nicht mehr. Dein Abend auf der Couch fühlt sich falsch an. Dein Körper nicht straff genug, dein Alltag nicht aufregend genug, deine Beziehung nicht romantisch genug.

Ich möchte ehrlich mit dir sein: Ich schaue mir kaum noch an, was andere so posten. Nicht weil ich über den Dingen schwebe – so weit bin ich definitiv noch nicht. Sondern weil ich mich gut genug kenne, um zu wissen: Da ist noch ein ganzer Weg vor mir, bevor das, wie es in dieser Welt zugeht, nichts mehr mit mir machen würde. Und bis dahin bleibe ich lieber bei meinem Tee, den Kindern und den Katzen. Ganz ohne Bewertung – denn am Ende trägt alles, auch das kollektive Unbewusstsein, das sich nirgends so schön präsentiert wie auf Instagram und Co., auf seine eigene Weise zum Erwachen bei.

Aber ich kenne diese Welt gut genug, um zu wissen, was sie mit uns macht.

Das Ego liebt den Vergleich

Eckhart Tolle sagt: Das Ego überlebt durch Vergleich. Es braucht das „besser als“ oder „schlechter als“, um sich selbst zu spüren. Ohne Vergleich – ohne die Geschichte, dass etwas fehlt – hat das Ego nichts zu tun. Und das ist für den Verstand unerträglich.

Social Media ist wie ein Buffet für das Ego. Jedes Bild, jede Story, jeder scheinbar perfekte Moment eines anderen Menschen wird zur Messlatte für das eigene Leben. Nicht bewusst – das ist das Tückische daran. Es passiert im Hintergrund, leise, fast unmerklich. Und trotzdem verändert es, wie wir uns fühlen.

Du siehst jemanden, der sein Traumhaus zeigt – und plötzlich ist deine Wohnung, die du dir doch so sehr gewünscht hast, nicht mehr genug. Du siehst eine Frau, die ihren spirituellen Weg so klar und leuchtend präsentiert – und plötzlich zweifelst du an deinem eigenen. Du siehst einen Mann, der seiner Partnerin öffentlich eine Liebeserklärung macht – und fragst dich, warum deiner dir nicht auch solche Nachrichten schreibt.

Aber weißt du, was in all diesen Momenten passiert? Du bist nicht mehr hier. Nicht mehr bei dir, nicht mehr in deinem Leben. Du bist in einer Geschichte. In einem Vergleich. In einer Illusion.

Die zweite Falle: Unterhaltung

Das Vergleichen ist nur die eine Seite. Es gibt noch eine andere Falle – und sie ist vielleicht die tückischere, weil sie sich so angenehm anfühlt.

Scrollen unterhält. Und das Wort sagt es schon: Es hält dich unten. Du bist dabei nicht wach, nicht präsent – du bist wie benebelt. Und das Verrückte ist: Es fühlt sich gut an. Weil es dich für einen Moment von den Gedanken befreit, die dich sonst in Dauerschleife denken. Die Sorgen, die Zweifel, das innere Rauschen – beim Scrollen wird es kurz still. Aber es ist keine echte Stille. Es ist Betäubung.

Die östlichen Weisheitslehren – ob Buddha, die Upanishaden oder die Zen-Meister – sprechen alle von derselben Falle: dem ständigen Greifen nach außen. Im Buddhismus heißt es Tanha – der Durst, das Verlangen, das nie gestillt werden kann. Nicht weil es nicht genug gibt, sondern weil das Verlangen selbst das Problem ist.

Wir suchen im Außen – in Bildern, in Likes, in der nächsten Story – nach etwas, das dort niemals zu finden ist. Was wir in Wahrheit wollen, ist nur eines: inneren Frieden. Einfach Ruhe. Einfach da sein dürfen, ohne dass etwas fehlt.

Aber das Ego will das nicht. Denn innerer Frieden bedeutet: Das Ego hat keinen Grund mehr zu existieren. Es braucht die Trennung, den Vergleich, das Drama, die Unzufriedenheit. Es findet immer etwas. Immer.

Zurückkommen

Ich habe etwas entdeckt, das so simpel ist, dass der Verstand es fast nicht akzeptieren will: Wenn ich merke, dass ich anstatt nur schnell auf die Uhr zu schauen auf Instagram gelandet bin, lege ich das Handy hin. Nicht wütend, nicht diszipliniert – einfach sanft. Und dann spüre ich meinen Körper. Meine Füße auf dem Boden. Meine Hände. Den Atem.

Das ist alles. Kein Mantra, keine Technik, kein Fünf-Schritte-Programm. Nur zurückkommen. Zum Hier. Zum Jetzt. Zu dem, was wirklich ist – nicht zu dem, was der Bildschirm mir zeigt.

Eckhart Tolle nennt es: aus dem Denken heraustreten und ins Sein eintreten. Und in dem Moment, in dem das geschieht, fallen Vergleich und Betäubung weg. Nicht weil ich sie unterdrücke, sondern weil sie im Licht der Gegenwärtigkeit einfach keinen Boden mehr haben.

Was wäre, wenn du das Handy heute Abend einfach mal liegen lässt? Nicht für immer. Nicht aus Disziplin. Sondern um zu schauen, was passiert, wenn die Bilder der anderen verstummen. Vielleicht ist es Stille. Vielleicht ist es Unruhe. Aber was auch immer es ist – es ist das Einzige, was wirklich da ist. Nicht der nächste Post, nicht die nächste Story – sondern der Atem, der ganz von allein kommt. Das Leben, das nicht erst dann anfängt, wenn es so aussieht wie auf einem Bildschirm.

Von Herzen,
Christina

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